Lokal Teil 2 Korrekturpinsel Schritt für Schritt, Lightroom 2 Entwickeln mit dem Verlaufsfilter und Korrekturpinsel

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Der Korrekturpinsel ist das Killerfeature, für das sich das Update auf Lightroom 2 lohnt. In den 1.x Versionen waren nur Korrekturen an Fotos möglich, die das ganze Bild  oder bestimmte Farbbereiche im ganzen Bild verändert haben.

Der Korrekturpinsel bietet neben der Möglichkeit nicht destruktiv die Belichtung und Helligkeit auf Bildbereiche aufzumalen (Dodge und Burn), auch noch dasselbe für

  • Kontrast
  • Sättigung
  • Klarheit
  • Schärfe und
  • Farbe

Nicht nur jede Einstellung einzeln lässt sich auf einen Bereich anwenden, sondern beliebige Kombinationen, wie zum Beispiel Schärfe und Belichtung gleichzeitig. Mehrerer Bereiche mit vollkommen unterschiedlichen Einstellungen kann man einfügen, die sich sogar überlagern können. Insgesamt ein unheimlich mächtiges Werkzeug, das sich trotzdem sehr intuitiv bedienen lässt.

Die Einstellungen dieser selektiven Bereiche können jederzeit anders definiert werden oder auch wieder ganz entfernt werden.

Seit erscheinen von Lightroom 2.0 benutze ich das sehr häufig und es ermöglicht mir auch problematische Fotos komplett in Lightroom zu überarbeiten ohne dass ich andere Programme einsetzen muß. Einzige Schwierigkeit ist die Arbeitsgeschwindigkeit, die bei hoher Systemauslastung oder langsamen PC mit zu wenig RAM Speicher, kein flüssiges Arbeiten  erlaubt. Adobe arbeitet aber intensiv an einer Verbesserung der Performance, die Beta-Version 2.1 Release Kandidat beschleunigt das Werkzeug schon deutlich spürbar, das Update auf 2.1 wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Manchen Fotografen ist erst bei der Arbeit mit dem Korrekturpinsel bewußt geworden, wieviel Spielraum für Korrekturen in einem RAW Foto gegenüber einem JPEG-Foto stecken.

Tipp: Fotos in schwierigen Lichtsituationen immer im RAW Format fotografieren, um optimale Korrekturmöglichkeiten zu haben.

Korrekturpinsel Vorher / Nachher Beispiele

Die folgenden drei Beispiele von Fotos, die ich mit dem Korrekturpinsel verbessert habe, geben einen Eindruck welche Möglichkeiten sich damit bieten:

In diesem ersten Beispiel habe ich das Kreuz aufgehellt. (Korrektur Belichtung)

Hier wurde das linke Auge mit der Korrekturen “mehr Schärfe”, “mehr Klarheit”, “weniger Sättigung” und “mehr Helligkeit” korrigiert. Das rechte Auge ist unbearbeitet.

Das gesamte Foto wurde etwas stärker belichtet, de Himmel wurde mit dem Korrekturpinsel gezielt nachbearbeitet ( “weniger Belichtung, mehr Kontrast, weniger Klarheit, weniger Schärfe)

Schon an diesen Beispielen ist zu sehen, dass Lightroom weit über die klassischen Möglichkeiten Nachbelichten und Abwedeln aus der Dunkelkammer hinaus geht.

Schrittweise Vorgehen mit dem Korrekturpinsel

Anhand eines Beispiels zeige wie man den Korrekturpinsel einsetzen kann.

Als Beispiel habe ich diese Foto der Fußgängerzone in Bilbao gewählt.

1. Kontrolle, “ob was geht”

Der Vordergrund ist zu dunkel, der Himmel zu hell. so wie es ist, ist das Foto nicht zu gebrauchen. Um festzustellen, in wie weit noch genug Informationen in den überstrahlten bzw. abgesoffenen Bereichen enthalten ist, wechsle ich zunächst in das Modul Entwickeln, gehe rechts in die Grundeinstellungen und ziehe die Belichtung einmal ganz nach unten und dann ganz nach oben.

Es ist gut zu erkennen, dass der Himmel prinzipiell noch Zeichnung hätte und die dunklen Bereich ebenfalls nicht hoffnungslos schwarz sind. So kann man das Foto auf jeden Fall retten.

Anschließend wird die Belichtungseinstellung zurück auf 0,00 gestellt. (Doppelklick auf den Anfasspunkt des Sliders)

2. Normales Entwickeln

Abgesehen von der Straße und dem Himmel entspricht die hellere Variante eher den Erwartungen. So entwickeln wir das Foto ganz normal und beachten einfach diese beiden Bereiche erst mal gar nicht und konzentrieren uns auf den Rest.

Nach wenigen Einstellungen hat man das Foto soweit, dass alles außer den beiden kritischen Bereichen ordentlich belichtet ist.

4. Korrekturpinsel mit Optionen einblenden

Mit dem Tastaturkürzel K öffnet man jetzt die Palette Korrekturpinsel und lässt sich die Effektschaltflächen anzeigen. (wenn nicht schon geschehen). Dies ist im Verlaufsfilter genauso.

Einmal vorgenommen, merkt sich Lightroom diese Einstellung. So lässt sich viel flexibler arbeiten und mit einer Maske mehrere Einstellungen kontrollieren. In meiner Praxis gab es bisher noch keinen Grund, zurück zur einfachen Variante zu wechseln, in der nur ein Wert pro Maske eingestellt werden kann.

Jetzt sieht die Korrekturpinselpalette so aus:

Die oberen Regler sind die gleichen wie beim Verlaufsfilter:

  • Belichtung: Gesamthelligkeit des Fotos, die Einstellung hat größere Auswirkungen auf die höheren Werte.
  • Helligkeit: Helligkeit des Fotos,  in erster Linie die Mitteltöne.
  • Kontrast: in erster Linie die Mitteltöne
  • Sättigung: Klarheit oder Reinheit der Farbe
  • Klarheit: Kontrast an einzelnen Stellen
  • Schärfe
  • Farbe: Wendet einen Farbton auf den ausgewählten Bereich an. Wählen Sie den Farbton durch Doppelklicken auf das Farbfeld.

Unten wird der Pinsel in Größe, Stärke und Wirkungsweise definiert.

Jetzt wählt man den oder die Regler, über den/die man einen Bildbereich korrigieren will.

5. Korrekturwerte “übertrieben” eintragen, Pinsel wählen

In diesem Beispiel wollen wir den Himmel abdunkeln, um Zeichnung in die momentan überstrahlten Bereiche zurückzuholen. Wir müssen den Himmel also mit niedrigerer Belichtung übermalen.

Damit beim Pinseln gut sichtbar ist, wo gemalt wird, empfiehlt es sich, den Wert übertrieben stark einzustellen. Ist der Bereich erst einmal definiert, kann die Korrektur angepasst werden.

Den Slider für die Belichtung habe ich ganz nach links gezogen, und einen mittelgroßen Pinsel mit weicher Kante (100) und maximalem Fluss und Dichte (100) gewählt, und automatisch maskieren angekreuzt.

Teil 3 dieser kleinen Artikelserie über die lokalen Korrekturen wird die Pinseleinstellungen im Detail erklären.

6. Malen mit dem Korrekturpinsel

Anschließend habe ich den Himmel dunkel gemalt. Nicht erschrecken, weil es zu dunkel ist, das wird gleich im nächsten Schritt korrigiert. So sieht man während dem Malen gut, was man gerade bearbeitet.

Hat man Bereiche übermalt, die nicht von der Korrektur betroffen sein sollten, kann man die Taste ALT gedrückt halten und der Pinsel wird zum Radierer:

Mit der Tastenkombination STRG + Z kann der letzte Pinselstrich wieder entfernt werden.

Korrekturpinsel-Pin

Sobald mit dem Malen begonnen wird, erscheint ein “Korrekturpinsel-Pin” im Foto, mit dem der Korrekturbereich selektiert werden kann. Dazu klickt man den Pin an und er erhält einen schwarzen Punkt in der Mitte.

Maske

Läßt man den Mauszeiger eine Zeitlang über dem aktuellen Korrekturpinsel-Pin stehen, wird die Maske eingeblendet, die zu dem Pin gehört, hier in einem Rot.

Die Maske ist hilfreich, um zu sehen, ob man zuviel oder zuwenig markiert hat.

7.  Feintunig

Die übertriebenen Einstellungen zum Malen werden zurückgesetzt. Man muß erst mal darauf achten, daß der richtige Korrekturpinsel aktiv ist, dann stellt man über die rechten Regler die Korrekturen ein, die den Bereich optimal erscheinen lassen.

Damit ist unser Himmel jetzt fertig korrigiert.

8. Weitere Bereiche

Um einen anderen Bereich mit unterschiedlichen Korrekturen zu definieren wird einmal auf das Wort “Neu” geklickt.

Die Schritte 4 bis 7 habe ich dann nochmal für die Straße und das Taxi im Hintergrund wiederholt.

Endresultat vorher und nachher

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Im noch ausstehenden Teil 3 der Artikelserie über Verlaufsfilter und Korrekturfilter werde ich aller Tastaturkürzel zusammenfassen, die Pinseleinstellungen und spezielle Möglichkeiten beschreiben und noch einige Tips geben.


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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Marion :

    Hallo und vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung.

    Zu dem Korrekturpinsel habe ich folgende Frage:
    Anfangs hatte ich auch diesen Korrekturpinsel-Pin, wenn man ansetzt.

    Aus irgendeinem Grund seh ich diesen Punkt nun nicht mehr und ich habe den Eindruck, dass die Maskierung somit auch nicht mehr gespeichert wird. Ich kann also nachträglich nichts mehr ändern.
    Haben Sie eine Idee, was ich da angestellt habe?
    Hätte diesen Ansatz-Punkt gerne wieder…

    Viele Grüße
    Marion

  2. Thomas Menath :

    @Marion: Einmal den Korrekturpinsel wählen und die Taste H drücken, schon erscheinen die Ansatz-Punkte (Kontrollpunkte) wieder.

  3. Marion :

    Hallo Herr Menath,

    super, vielen Dank, das war die Lösung :)
    Hatte mir schon gedacht dass ich nur irgendwas “verklickt” habe, umso schwieriger ist es dann, das wieder herauszufinden…

    Noch einmal Danke schön, auch für das schnelle Antworten.

    Viele Grüße
    Marion

  4. Andreas Gerlach :

    Vielen Dank für diesen Artikel! War mir eine große Hilfe. Habe mich jetzt für den Kauf des Updates entschieden!

    Viele Grüße Andreas

  5. Chris :

    Vielen Dank für die großartigen Tutorials – ich bin restlos begeistert von dieser Seite!!!

  6. Anita :

    Hallo zusammen,

    Ich habe seit 2 Wochen Lightroom 2, mein Problem der Korrekturpinsel, ich habs genauso gemacht wie in maikes video aber er reagiert überhaupt nicht auf auf keinen der Bereiche die ich maskiert habe, bitte könnt ihr mir helfen.

    mit freundlichen Grüßen
    Anita

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